GETESTET: Mikrobiom-Test Kits

MyMicrobiome testet Produkte für das Mikrobiom, gibt euch wertvolle Tipps und Stoff zum Nachdenken. Hierfür stellen einige Firmen Ihre Produkte auch kostenlos zur Verfügung – Danke! Das hat aber keinen Einfluss auf unsere unabhängige und neutrale Berichterstattung. Viel Spaß beim Lesen!

Mikrobiom-Test Kits unter die Lupe genommen – Auswertung

MyMicrobiome hat diverse Kits getestet
MyMicrobiome hat diverse Kits getestet – welche Unterschiede gibt es bei diesen Mikrobiom-Test Kits?

Spätestens seit "Darm mit Charme" wissen wir, dass der Darm das Zentrum unserer Gesundheit und unseres Wohlbefindens ist. Lange vernachlässigt, hat die Forschung sich seit gut 10 Jahren auf die Erforschung des Darms und seiner Mitbewohner, unserem Mikrobiom, konzentriert. Damit einhergehend katalogisieren Wissenschaftler auf der ganzen Welt das Mikrobiom unserer Haut, unseres Mundes, unserer Lunge, unseres Urogenitaltraktes und vor allem unseres Darms. Auf diese Weise versuchen sie herauszufinden, welche mikrobiellen Zusammensetzungen in den einzelnen Körperregionen für ein gesundes, ausbalanciertes Mikrobiom stehen bzw. lernen sie, wie man diese Balance am besten wieder herstellt, wenn die mikrobiellen Ökosysteme auf und in uns gestört sind.

Mikrobiom-Test Kits sind überall auf der Welt wie Pilze aus dem Boden geschossen

Parallel zu den wissenschaftlichen Bemühungen, sind Mikrobiom-Test Kits, für den Normalverbraucher erhältlich, überall auf der Welt wie Pilze aus dem Boden geschossen. Was bringen diese Tests? Was für Tests gibt es und was unterscheidet sie? MyMicrobiome hat sich die auf dem Markt erhältlichen Mikrobiom-Tests angesehen.

Für den Selbst-Test haben wir bei über zehn Anbietern angefragt, darunter uBiome, Viome, Biohm, Ihcode und DayTwo. Insgesamt haben sich fünf bereit erklärt mitzumachen und diese haben wir unter die Lupe genommen:

Wir haben jeden Kit zweimal getestet, vor und nach zwei-wöchigem täglichem Verzehr eines probiotischen Joghurts.

Bewertung der getesteten Mikrobiom Test Kits nach verschiedenen Kriterien

Insgesamt sehr zufrieden
Ingesamt sind wir mit allen Teilnehmern sehr zufrieden! Hier und da gab es ein paar Unterschiede, die wir ausführlich beschreiben.

Lieferung / Verpackung / Anleitung / Rücksendung

Insgesamt sind alle Kits schnell geliefert worden (innerhalb einer Woche). Nur das Produkt aus den USA ist im Zoll hängen geblieben. Alle Kits waren nett in einer Schachtel verpackt, bis auf den Kit von TFTAK, die Verpackung befindet sich noch in der Entwicklung. Inhaltlich waren die Kits von Biomes, Thryve und TFTAK sehr ähnlich. Es gab einen Tupfer, ein kleines Röhrchen mit einer Stabilisierungsflüssigkeit für die Probe und eine Anleitung zur Probennahme. Das Röhrchen zur Probennahme von Atlas war etwas größer und es wurde mehr Probe benötigt. Medivere hatte keine Stabilisationsflüssigkeit im Röhrchen und es wurde ca. 25 ml Probe benötigt, daher hier weniger Punkte. TFTAK, Medivere und Atlas schickten noch Stuhlfänger mit, TFTAK und Thryve hatten ein Ersatz-Set, falls etwas schief läuft.

Die Rücksendung der Proben war am einfachsten mit Atlas, Biomes und Medivere, da diese einen frankierten Rückumschlag, bzw. Verpackung an Board hatten. Für die Rücksendung des Thryve Kits gab es zwar eine Rücksendebox, jedoch müssen die Portokosten erst einmal selbst getragen werden, bei Zusendung des Belegs wird der Betrag über PayPal erstattet. Da TFTAK noch über keine Verpackung verfügt, gab es auch weder Rücksendeumschlag, noch Porto, das wird sich aber sicher ändern, sobald der Verpackungskarton fertig entwickelt ist.

Ergebnisse

Auf die Ergebnisse mussten wir 2 Wochen bis über 3 Monate warten, die Ergebnisse von TFTAK kamen am spätesten.

Die Ergebnisse wurden entweder in einem sogenannten Dashboard dargestellt (Thryve, Biomes, Atlas) oder in einem Bericht zusammengefasst (Biomes, Medivere, TFTAK). Im Dashboard loggt man sich ein und hat erst eine Übersicht, von der aus man in die verschiedenen Bereiche gelangt. Dieses Dashboard war mehr oder weniger übersichtlich gestaltet. Biomes und Thryve machten das stöbern einfach, bei Atlas hatte ich oft Probleme die gewünschten Daten wieder zu finden, manches war sehr versteckt.

Insgesamt kann man in den Dashboards mehr Informationen finden als in einem Bericht, nur man muss eben auch viel suchen und stöbern. Ein Vorteil der Dashboards ist auch, dass man sich seine Bakterien im Detail ansehen kann, mit einem Klick wird jeweils mehr zu dem jeweiligen Bakterium erklärt.

Die Berichte von Biomes, Medivere und TFTAK waren sehr gut gestaltet und geben eine sehr gute Übersicht über alles. Medivere teilte die analysierten Bakterien in funktionelle Gruppen ein und gab eine Liste der gefundenen Bakteriendomänen.

Biomes fasst im neuen Dashboard (ab Mitte November 2018) die Daten aus dem Dashboard zusammen und stellt auf das untersuchte Mikrobiom zugeschnittene Rezepte zur Verfügung.

TFTAK listete die häufigsten Bakterien in der untersuchten Probe mit deren Eigenschaften auf, in einer zusätzlichen Tabelle wurden die häufigsten Bakterien in der gesunden Vergleichspopulation (hier aus Estland) mit dem Auftreten in der untersuchten Probe verglichen.

>>> Download Vorschau PDF-Bericht Medivere

>>> Download Vorschau PDF-Bericht TFTAK

Die Ergebnisse der verschiedenen Analysen waren sehr vielfältig.

Alle Analysen gaben Angaben zur Vielfalt des Mikrobioms, Gesundheitstipps und Ernährungstipps. Biomes und Medivere bescheinigten eine sehr hohe Vielfalt des getesteten Mikrobioms, während  die Diversität in den anderen drei Tests schlechter abschnitt. In den zwei Wochen der Joghurt-Diät hat sich die Vielfalt jedoch erhöht. Je höher die Vielfalt, desto besser für die Gesundheit.

Infobox: Enterotypen

Je nachdem welche Bakteriengruppen dein Mikrobiom dominieren, ist eine Einteilung in eine von 3 Enterotypen möglich, welche mit deiner Ernährung in Zusammenhang stehen:

Enterotyp 1: Der Westliche Gourmet

Dieses Mikrobiom wird von Bacteroides dominiert, wo sie durchschnittlich bis zu 80% des bakteriellen Ökosystems ausmachen. Das bedeutet, dass die diversität des Mikrobioms unter dieser Dominanz leidet. Gefüttert werden diese Bakterien von Einfachzuckern, tierischen Fetten und Protein.

 

Enterotyp 2: Der Pflanzenfresser

Dieser Mikrobiomtyp wird von Prevotella dominiert, welche typischerweise aus Eingeborenenstämmen des Amazonas und Afrika isoliert werden. Ihre Diät besteht hauptsächlich aus pflanzlichen Ballaststoffen und sehr wenig bis gar keinem einfachen Zucker, Fleisch oder Fett. In Europa beobachtet man diesen Enterotyp vor allem bei Vegetariern.

 

Enterotyp 3: Der Getreideliebhaber

Die Gruppe von Bakterien, welche in diesem Enterotypen dominiert, wird von Ruminococcus angeführt, gefolgt von Eubacterium, Dorea und anderen. Diese Gruppe von Bakterien ist besonders gut in der Produktion von Buttersäure, eine kurzkettige Fettsäure mit entzündungshemmenden Eigenschaften. Diese Gruppe verwertet vor allem Kohlenhydrate wie resistente Stärke und Zellulose (aus Linsen, Bohnen oder Vollkorn).

Nicht jedes Produkt machte Angaben zum Enterotypen

Mikrobiom Enterotyp

Während Thryve und TFTAK keine Angaben zum Enterotypen machten, stimmten die Ergebnisse von Biomes mit denen von Atlas überein. Medivere schreibt, wir hätten in beiden Tests Enterotyp 3, während die Ergebnisse aber den Enterotypen 1 ergeben, also eine Dominanz von Bacteroides.

Ein weiteres interessantes Ergebnis ist das Verhältnis der Bakteriendomänen Firmicutes zu Bacteroidetes. Firmicuten sind besonders gut darin, Fette zu verwerten, daher neigt man bei einem hohen Firmicutes/Bacteroidetes-Verhältnis eher zu schneller Gewichtszunahme. Das Verhältnis sollte optimalerweise zwischen 1 und 3 liegen. Laut Biomes neigt unser getestetes Mikrobiom zu einer sehr hohen Kalorienverwertung, wohingegen wir in den anderen Tests eher im Optimum liegen. Atlas und TFTAK machten keine Angabe zum Verhältnis Firmicutes/Bacteroidetes.

Insgesamt fielen die Ergebnisse bei den verschiedenen Tests sehr unterschiedlich aus.

Alle Tests wurden mit der gleichen Probe durchgeführt, jedoch zeigten sich bereits bei der benötigten Menge der Probe und bei der Art der Probenkonservierung Unterschiede. Für Biomes, Thryve und TFTAK reichte ein Abstrich vom Toilettenpapier aus, während Atlas ca. 2 ml und Medivere sogar 25 ml Probe benötigt. Alle Tests, mit Ausnahme von Medivere, hatten eine Stabilisierungslösung im Probengefäß. Diese ist notwendig, damit sich einerseits die Bakterien auf dem Weg ins Labor nicht vermehren und andererseits die bakterielle DNA und RNA, welche im Labor untersucht wird, stabilisiert wird. Die Art der Stabilisierungslösung kann die Ergebnisse beeinflussen.

In allen Fällen wurde das Mikrobiom über 16s rRNA-Analyse analysiert, eine gängige Methode welche aber nur teilweise bis auf das Bakterienspezies-Level geht. Da jedes Bakterium über eine unterschiedliche Anzahl an Kopien an 16s rRNA verfügt, muss der richtige Algorithmus für die Bestimmung der tatsächlichen Zahl der Bakterien in der Probe angewendet werden. Auch hier kommt man auf unterschiedliche Ergebnisse. Zum Schluss kommt es auch noch darauf an, mit welcher Datenbank die Ergebnisse abgeglichen werden. Jeder Hersteller hat momentan noch seine eigene Datenbank, welche mehr oder weniger umfangreich ist, meistens regional. Die erhaltenen Ergebnisse werden immer mit der Community verglichen und je nachdem sind Werte im Vergleich erhöht oder erniedrigt. Daher empfiehlt es sich, einen Hersteller zu wählen, der möglichst im gleichen Land oder wenigstens auf dem gleichen Kontinent sitzt.  Das Durschnitts-Mikrobiom der Europäischen Bevölkerung unterscheidet sich z. B. sehr von dem der Nordamerikaner oder der Asiaten.

Trotz der Unterschiede in den Ergebnissen, zeigte die Mehrheit der Analysen ähnliche Tendenzen in der Zusammensetzung des Mikrobioms.


Die Testperson hatte im ersten Test eher dem Enterotypen 2 entsprochen, im zweiten Test dem Enterotypen 3 (Biomes, TFTAK und Atlas). Diese beiden Enterotypen passen sehr gut mit der Ernährungsweise der Testperson zusammen.

In 3 von 5 Tests (Biomes, TFTAK und Medivere) war die Proportion der entzündungsfördernden Bakterien (Proteobakterien) erhöht.

Die bakterielle Vielfalt hat sich in allen Tests vom ersten zum zweiten Testzeitpunkt verbessert oder ist gleich gut geblieben.

Ernährungsempfehlungen sind eher allgemein gehalten

  • Biomes und Thryve bieten gleich den passenden Probiotika-Mix an. Je nach mangelnden Bakteriengruppen oder Arten, wird eine spezielle Diät empfohlen. Biomes überarbeitet sein Dashboard momentan und hat im neuen Dashboard (online ab Mitte November) einen ausführlichen PDF-Report über die Ergebnisse, einschließlich Rezeptempfehlungen speziell für dein Mikrobiom. Außerdem erfährt man, welche Nährstoffe das untersuchte Mikrobiom besonders gut verwerten kann, und für welche Nährstoffe die Bakterien fehlen. Zusätzlich geben sie Hinweise auf eine mögliche Lebensmittelunverträglichkeit aufgrund der Zusammensetzung des Mikrobioms.
  • Atlas gibt wöchentliche Lebensmittelempfehlungen per Email raus.
  • Was mir gut gefallen hat: bei Thryve kann ich auf ein Bakterium klicken und erfahre mit welchen Lebensmitteln ich das Wachstum dieses Bakteriums in meinem Darm fördern kann.
Thryve Screenshot
Screenshot: Bei Thryve kann ich auf ein Bakterium klicken und erfahre mit welchen Lebensmitteln ich das Wachstum dieses Bakteriums in meinem Darm fördern kann.

Alle Analysen geben Hinweise auf mögliche Krankheiten

Bei allen Analysen erhalte ich einen Hinweis auf mögliche Krankheiten, welche spezifisch durch Unausgewogenheiten im analysierten Mikrobiom auftreten können.

  • Biomes und Atlas gaben an wie gut das Potential ist, Vitamine zu synthetisieren und wo es mangeln könnte. Biomes liefert im neuen Dashboard Interpretationen zur Kalorienverwertung, Entzündungsindikatoren, Darmschleimhaut und Verstopfung.
  • Thryve nennt Symptome wie Müdigkeit, Besorgtheit, schlechten Schlaf, Haut- und Gewichtsprobleme und wie wahrscheinlich diese Symptome beim getesteten Mikrobiom auftreten können. Mit einem Klick gelangt man zu spezifischen Ernährungstipps um die Symptome zu verbessern.
  • Atlas zählt Krankheiten auf, die mit einem gestörten Mikrobiom korreliert werden (Diabetes Typ II, Fettleibigkeit, Darmentzündungen und Arteriosklerose),  und jeweils das Risiko des untersuchten Mikrobioms für das Eintreten der jeweiligen Krankheit.
  • Medivere kommt eher aus der Diagnostik und liefert einen sehr ausführlichen Gesundheitsbericht. Das Risiko an Reizdarmsyndrom, Autoimmunerkrankungen, Neurologischen und Metabolischen Erkrankungen zu leiden wird hier anhand der Mikrobiom-Daten abgeschätzt und sehr ausführlich anhand der verschiedenen Eigenschaften der Bakterien im Darm erläutert.
  • TFTAK stellt die im Test gefundenen Bakterien vor und erklärt in einer Tabelle, wofür jedes Bakterium gut oder schlecht sein kann. Außerdem gibt es eine weitere Tabelle, welche die häufigsten Bakterien in der gesunden Vergleichspopulation (hier aus Estland) mit dem Auftreten in der untersuchten Probe vergleicht. So sieht man, wo es an Bakterien fehlt oder eine Dominanz besteht.

Resümee

Die Wissenschaft zum menschlichen Mikrobiom steckt noch sehr in den Kinderschuhen. Trotzdem gibt es schon sehr viele eindeutige Hinweise darauf, wie unser Mikrobiom unsere Gesundheit beeinflussen kann. Die Ergebnisse der unterschiedlichen Tests variieren aufgrund verschiedener angewandter Techniken und Datenbanken, dennoch sind Tendenzen zu erkennen, die sich durch alle Tests durchziehen. Welcher der Tests die beste Analysemethode hat, lässt sich schwer sagen. Für Menschen, die das Gefühl haben, dass etwas mit ihrer Darmgesundheit nicht in Ordnung ist, oder für solche, die einfach wissen möchten, wie sie ihrer Gesundheit etwas Gutes tun können, ist so ein Mikrobiom Test sicherlich hilfreich.

Fazit ist aber, und das zeigte sich auch bei jedem Test, dass eine protein- und fettarme und dafür Pflanzenreiche Ernährung den Artenreichtum unseres Mikrobioms steigert. Das heißt aber nicht, dass man komplett auf Proteine und Fette verzichten soll, sondern, wie wir es eigentlich ja alle wissen, die Nahrung möglichst unbehandelt, frisch sein und bunt aussehen soll. Je abwechslungsreicher die Ernährung, umso höher die Vielfalt unseres Mikrobioms.

Ich bin mir sicher, dass die Tests mit der Weiterentwicklung der technischen Möglichkeiten und der weiteren Forschung zum Mikrobiom, immer besser und zuverlässiger werden. Es sind aber dringend allgemein gültige Standards für die Mikrobiom-Analysen und Probennahmen notwendig um kongruente Ergebnisse zu erhalten!

Daher werden wir auch immer wieder in regelmäßigen Abständen Tests durchführen und euch auf dem neuesten Stand halten.

Dir gefällt was du gelesen hast? Teile es mit deinen Freunden!
Kristin Neumann, Autor
Kristin Neumann, PhD
Autor

Hello, I am a microbiologist by profession. I studied (molecular) biology because I was always curious about how life functions...

Copyright 2019 MyMicrobiome Anstalt - All rights reserved.

HAFTUNGSAUSSCHLUSS: Nichts auf dieser Website oder in diesem Blog dient der medizinischen Beratung, Diagnose oder Behandlung.

Es werden notwendige Cookies, Youtube und Matomo Analytics geladen. Details finden Sie in unserer Datenschutzerklärung und unserem Impressum.