Dein Mikrobiom wird es dir danken – Neuste Nachrichten
21.02.2019 11:22
von Cara Koehler
  Zuletzt bearbeitet: 09.08.2019 14:29

Die Rolle des Mikrobioms in der Entwicklung des Menschen

Das Mikrobiom wächst in dir
Vom Moment deiner Geburt an, wächst mit dir (oder besser gesagt in dir) dein Mikrobiom.

An dieser Stelle haben wir schon viele interessante Artikel über das Mikrobiom und seine Auswirkungen auf individuelle Hygiene, Fettleibigkeit, psychische Gesundheit und viele andere Bereiche gepostet. Aber gehen wir doch nochmal einen Schritt zurück und sehen uns an, welchen Einfluss das Mikrobiom von aller Anfang an (also von Geburt an) auf unsere Entwicklung hat.

Happy Birthday

Vom Moment deiner Geburt an, wächst mit dir (oder besser gesagt in dir) dein Mikrobiom. Deine Mutter – und wenn du gestillt wurdest, ihre Muttermilch – ist der Ursprung von allem. Wissenschaftler sind überzeugt, dass die ersten drei Lebensjahre ausschlaggebend für die Entwicklung unseres Mikrobioms sind. Anstelle von Geburtstagskuchen, sollten Babys erste Geburtstage am besten mit Muttermilch gefeiert werden – OK, mit Sahne und einer Kirsche obendrauf!

Als Crash-Kurs in Sachen Mikrobiom empfiehlt sich die Lektüre eines Artikels Role of the Microbiome in Human Development” von Prof. Maria Gloria Dominguez-Bello, Filipa Godoy-Vitorino,  Rob Knight, und Martin J. Blaser (Professor an der New York University). Dieser Artikel soll die wichtigsten Punkte der oben genannten Veröffentlichung zusammenfassen, in dem Bilanz gezogen wird, welchen Einfluss das Mikrobiom auf die Entwicklung des Menschen hat:
1) auf unsere Evolution, 2) auf vorgeburtliche und frühkindliche Beziehungen und 3) auf den zukünftigen Einfluss des Mikrobioms auf unsere Ernährung und unser Wachstum.

Der Kreislauf des Lebens: Evolution und Geburt

Wie gesagt ist die gesamte menschliche Entwicklung von Geburt an vom Mikrobiom beeinflusst. Aber wer hätte gedacht, dass die Entwicklung der Menschheit als Spezies ohne Mikrobiom nicht möglich gewesen wäre? Das Mikrobiom hat sich zusammen mit der Menschheit entwickelt und verschiedene Phänotypen in den Genen unserer Vorfahren entstehen lassen. Phänotypen beziehen sich auf unsere physischen Merkmale: sichtbare, wie Größe und Augenfarbe, aber auch allgemeiner Gesundheitszustand, Krankengeschichte und sogar das Temperament! Mit diesen poetischen Worten haben es die Autoren zusammengefasst:

Das Mikrobiom befindet sich an der Schnittstelle zwischen unserem Körper und der Außenwelt, wo Umwelteinflüsse auftreffen (einschließlich Ernährung, Sonneneinstrahlung, Baden, Kosmetik). Das Mikrobiom sind wir also gleichzeitig selbst und nicht selbst.

Da eine Schnittstelle der Ort ist, an dem zwei Systeme aufeinandertreffen, ist es hilfreich, sich das Mikrobiom als Pförtner an der Tür zu unserem Körper vorzustellen, der ein wachsames Auge darauf hat, wer (oder in dem Fall besser, was) da draußen herumstreunt.

Das mütterliche Mikrobiom beeinflusst indirekt das Mikrobiom des Fötus

Zurück zum menschlichen Individuum. In Säugetieren wie wir Menschen es sind, ist der Mutterleib immun geschützt, das bedeutet, Bakterien können sich hier nicht ansiedeln: der Uterus, der Fötus und die Plazenta sind frei von Mikroben. Allerdings beeinflusst das mütterliche Mikrobiom das Ungeborene indirekt. Wehen und Geburt stellen den ersten Kontakt mit einem komplexen Mikrobiom dar und sind bei Säugetieren der auslösende Mechanismus für die Weitergabe von Mikroben zwischen den Generationen. Wie werden Mikroben von einer Generation zur nächsten, von der Mutter zum Kind weitergegeben? Die Antwort ist in der Anatomie begründet. Der Geburtskanal verläuft direkt neben dem Darm, was einen Übergang von mütterlichen Darm- und Vaginalmikroben auf das Kind erlaubt. Deswegen beeinflussen Kaiserschnitte und die Gabe von Antibiotika während der Geburt auch die Ansiedlung von Bakterien im Baby. Aber der Transfer hört nicht mit der Geburt auf: Stillen fördert laut den Autoren der Studie die sensorische und motorische Entwicklung des Gehirns in einer Weise, die man nur als bemerkenswert beschreiben kann.*

Und nach der Geburt?

Frühkindliche Entwicklung läuft nicht in einer Blase ab. Menschliche Nähe, die Gestaltung des Zuhauses, Belüftung, Ernährung, Kleidung, Bewegung, Körperpflegeprodukte und Medikamente, aber auch wo auf der Welt man lebt, spielt eine wichtige Rolle. Wie also kann man in dieser industrialisierten Welt sein eigenes Mikrobiom und das seiner Kinder möglichst intakt halten? Die Autoren schließen mit der Forderung nach weiteren Studien, inwiefern ein Mikrobiom in einer gesunden Bevölkerung ausreift im Vergleich zur Ausreifung bei verschiedenen Krankheiten, ähnlich wie es schon Normkurven zur Entwicklung von Größe und Gewicht bei Kindern gibt – „sozusagen eine Soll-Kurve für das Mikrobiom-Wachstum“. Erst dann sind wir in der Lage, Entwicklungsstörungen beim Mikrobiom, Wirtsantwort und Krankheiten besser in Zusammenhang zu bringen, in der Hoffnung, diese Störungen für künftige Generationen zu beschränken.

*Mehr Informationen über die Entwicklung der kindlichen Darmbakterien in den ersten drei Lebensjahren gibt es hier

Cara Koehler
Cara Koehler
Autor

Cara Koehler, geb. in Chicago, Illinois (USA) hat ihr Master-Studium in Deutschland an der Otto-Friedrich-Universität Bamberg erworben, wo sie zur Zeit als Doktorandin tätig ist. Sie arbeitet dazu freiberuflich als Übersetzerin und Lektorin wissenschaftlicher Texte. 

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