15.04.2019 13:40
von Lisa Keilhofer
  Zuletzt bearbeitet: 09.08.2019 14:29

Jungbrunnen gefunden – im Darm-Mikrobiom

Das Darm-Mikrobiom als Jungbrunnen?
Ist das Darm-Mikrobiom ein Jungbrunnen?

Das universitätseigene Online-Journal „CU Boulder Today“ veröffentlichte kürzlich (im März 2019) einen Artikel über neueste Forschungsergebnisse, die ein Team um Post-Doc und Haupt-Autorin Vienna Brunt vom Department of Integrative Physiology zusammengetragen hat.

Es war bereits länger bekannt, dass mit zunehmendem Alter das Risiko, an Herzkreislauferkrankungen zu leiden, ansteigt. Auch die Ursache – höhere Entzündungswerte – war hinlänglich erforscht. Neu ist aber die erstaunliche Erkenntnis, dass das Darm-Mikrobiom mit zunehmendem Alter immer mehr „böse“ Bakterien ansiedelt und genannte Krankheiten begünstigt.

Darmflora wendet sich gegen ihren Hausherrn

Die zugrunde liegende Studie (die ausführliche Veröffentlichung vom Februar 2019 findet sich im „Journal of Physiology“) basiert auf Untersuchungen an jungen und alten Mäusen, die mit einer breiten Antibiotika-Auswahl behandelt wurden, um das Mikrobiom möglichst zu zerstören. Anschließend wurden die Arterien der beiden Vergleichsgruppen hinsichtlich Stabilität der Gefäßwände untersucht sowie das Vorkommen entzündlicher Substanzen, freier Radikale, Antioxidantien und Stickoxid erfasst.

Das Ergebnis überrascht: während nach einer dreiwöchigen Antibiotika-Behandlung die jungen Mäuse unveränderte Herzkreislauf-Bilder zeigten, wurde bei den alten Mäusen bemerkenswerterweise eine Verbesserung derselben festgestellt.

Doug Seals, Senior Autor und Leiter des zuständigen Labors fasst zusammen, die Herzkreislauf-Gesundheit der alten Mäuse konnte durch Zerstören des Darm-Mikrobioms auf das Level von Jungmäusen gebracht werden.

Antibiotika-Kuren für längeres Leben?

Als Ursache identifizierte das Forscherteam entzündungsfördernde Mikroben und Substanzen wie Proteobakterien (z. B. Salmonellen) oder Desulfovibrionales, die in Vergleichsgruppen von alten Mäusen festgestellt werden konnten und die in vorherigen Studien mit den Herzkreislauferkrankungen in Verbindung gebracht wurden. Auch TMAO (trimethylamin N-Oxide), ein Auslöser für Arterienverengung, Herzinfarkt und Schlaganfall, war bei den unbehandelten alten Mäusen in dreifacher Konzentration im Vergleich zu jungen Mäusen vorhanden. Der Verdacht, den Seals und sein Forscherteam also verfolgen, ist dass sich das Mikrobiom im Laufe des Lebens zum schlechteren wandelt und immer mehr dieser Substanzen produziert.

Liegt also die Lösung so nahe? Eine dreiwöchige Antibiotika-Kur, um das dysfunktionale Mikrobiom zu zerstören und schon senken wir unser Krankheitsrisiko auf das eines Jugendlichen?

Die Autoren der Studie raten ausdrücklich davon ab. Die Nebenwirkungen von Antibiotika übersteigen den Nutzen so einer Radikalkur. Allerdings lassen sich die Erkenntnisse anders sinnvoll einsetzen, etwa mit Ernährungsumstellungen im Alter auf Lebensmittel, die ein gesundes Mikrobiom mit wenig entzündungsfreudigen Stoffen fördern. Das gelingt durch probiotische Ernährung, also etwa Jogurt oder Kefir, und durch präbiotische Ernährung wie unverarbeitetes Obst, Gemüse und andere ballaststoffreiche Nahrung. Des Weiteren wird zum häufigen Verzehr hochwertiger Olivenöle, Essig oder Rotwein geraten, denn das darin enthaltene Dimethyl-Butanol hilft bei der Eindämmung der Trimethylamin N-Oxid (TMAO).

Ein Begleitartikel (Cryan, Boehme, Dinan, März 2019: nur nach Registrierung zugänglich) fasst also zusammen: auf eine gesunde Darmflora zu achten, wird mit zunehmendem Alter immer wichtiger.

Lisa Keilhofer
Lisa Keilhofer
Autor

Lisa Keilhofer studierte an der Universität Regensburg. Sie arbeitet im Bereich Internationalisierung und als freiberufliche Lektorin.

Dir gefällt was du gelesen hast? Teile es mit deinen Freunden!

Zurück

Copyright 2019 MyMicrobiome Anstalt - All rights reserved.

HAFTUNGSAUSSCHLUSS: Nichts auf dieser Website oder in diesem Blog dient der medizinischen Beratung, Diagnose oder Behandlung.

MyMicrobiome verwendet Cookies, um Ihnen die bestmögliche Funktionalität bereitzustellen. Mehr dazu …
Ok, kapiert!