08.07.2019 15:04
von Kristin Neumann
  Zuletzt bearbeitet: 09.08.2019 14:29

Rotterdam Microbiome Series 2019 – der Hotspot für Mikrobiom-Liebhaber

Microbiome Series 2019, Rotterdam
Microbiome Series 2019, World Trade Center Rotterdam

In May 2019 Rotterdam was a hot place for microbiome lovers! Global Engage hat viele Mikrobiom-Wissenschaftler, aber vor allem die Mikrobiom-Industrie nach Rotterdam gebracht. Die Konferenz war in 3 Hauptthemen unterteilt:

  • 6th Microbiome R&D & Business Collaboration Forum
  • 3rd Probiotics Congress
  • Skin Microbiome & Cosmoceuticals Congress

Wir waren auch dabei und haben hier die neuesten, interessantesten News zum Thema Forschung und Entwicklung im Bereich Mikrobiom hier für euch zusammengefasst.

Ganz groß war das Thema Hautmikrobiom, was uns natürlich auch besonders interessiert hat, weil wir für das Mikrobiom-Qualitätssiegel immer up to date sein müssen!

Es tummelten sich kleine Startups (YUN, AOBiome, ElsiBeauty, Gallinée) aber auch die Großen wie L´Oréal und Nestlé, welche die Forschung hinter ihren Produkten erklärten.

Mit YUNund AOBiome waren auf der Konferenz schon 2/3 der echten Probiotika-Hersteller in der Kosmetikindustrie vertreten. Die Dritte von drei Firmen der Welt, welche echte Probiotika in ihren Produkten hat, ist Esse.

>>> Gallinée hat weltweit erste prä- und postbiotische Haarpflegeprodukte entwickelt, basierend auf fermentiertem Reiswasser. Die Devise lautet: mehr pflegen, weniger waschen! Postbiotische Produkte sind Substanzen welche von Bakterien hergestellt werden. (>>> Link Haarpflegeprodukte von Gallinée)

>>> YUN hat Laktobazillen in seine Produkte zur Akne Behandlung in Kapseln gesteckt. In diesen Kapseln überleben die Bakterien bis sie auf die Haut des Anwenders kommen. Die Lactobazillen konkurrieren mit Cutibacterium acnes und Staphylococcen um den Lebensraum Haut und mindern so Aknesymptome.


(Bild links: Marie Drago, Gründerin von Galinée und Dr. Kristin Neumann, MyMicrobiome | Bild rechts: Ingmar Claes, CSO bei YUN Probiotherapy und Dr. Kristin Neumann, MyMicrobiome)

>>> ELSI Beauty hat herausgefunden, dass wir uns täglich bis zu 126 Inhaltsstoffe durch Kosmetik und Cremes ins Gesicht schmieren… kein Wunder also, dass wir mit unterschiedlichsten Symptomen reagieren. ELSI hat ein Feuchtigkeitsserum mit nur 3 Inhaltsstoffen entwickelt.

Bei der Round Table Diskussion mit Johanna Gillbro, Autorin des Buches >>> Hudbibeln (Hautbibel) und Mitbegründerin des Skinome Projekts in Schweden, diskutierten wir gemeinsam die Unterschiede von lebendigen zu toten Bakterien in der Kosmetik. Außerdem wurden die fehlenden Vorgaben für "probiotische" und Mikrobiom-freundliche Kosmetikprodukte erörtert.

Round Table Diskussion mit Johanna Gillbro
Round Table Diskussion mit Johanna Gillbro

Es tummeln sich bereits eine ganze Reihe von 'Probiotischen' und vermeintlich Mikrobiom-freundlichen Produkten auf dem Kosmetikmarkt. Allerdings gibt es für keine der beworbenen Aussagen Richtlinien oder Vorgaben.

Probiotisch wird in der Kosmetikindustrie alles genannt, was in irgendeiner Form Bakterien oder Teile davon enthält. Dabei gibt es eine ganz klare Definition für das Wort 'probiotisch', zumindest in der Nahrungsmittelindustrie: "lebende Mikroorganismen, die, wenn sie in ausreichenden Mengen verabreicht werden, dem Wirt einen gesundheitlichen Nutzen verschaffen" (Internationale Wissenschaftliche Vereinigung für Probiotika und Präbiotika, kurz ISAPP). Sowohl tote als auch lebendige Bakterien zeigen eine Wirkung auf der Haut. Hauptsächlich werden Lactobazillen verwendet, da diese bereits für die Lebensmittelindustrie auf Herz und Nieren geprüft sind und daher als sicher eingestuft werden. Sowohl abgetötete als auch lebendige Bakterien können antibakterielle Wirkstoffe enthalten oder freisetzen und Stoffwechselprodukte enthalten, welche der Haut gut tun. Lebendige, echte Probiotika können zudem noch aktiv den pH-Wert der Haut beeinflussen, so dass zum Beispiel Milchsäure auch richtig funktionieren kann. Zudem überleben die lebendigen Bakterien für eine Zeit auf der Haut und können so länger ihre Wirkung tun als tote Bakterien.

Bisher gibt es allerdings weder Vorgaben, noch Analysemethoden für probiotische Kosmetika.

Weiterhin ist es sehr schwierig, Mikrobiom-freundliche Produkte von solchen zu unterscheiden, die dem Hautmikrobiom schaden. Ein großes Problem sind Konservierungsstoffe, welche die Kosmetika lange haltbar machen und Produktionsprozesse erleichtern. Diese Konservierungsstoffe können jedoch unser Hautmikrobiom angreifen! Hier muss ein Umdenken stattfinden. Die Herstellung von Kosmetik ohne Konservierungsstoffe erfordert aufwändige, sterile Herstellungsbedingungen und bedingt eine kürzere Haltbarkeit. MyMicrobiome ist dabei die einzige Instanz, die Richtlinien für Mikrobiom-freundliche Produkte setzt, mit dem Qualitätssiegel Microbiome friendly.

Vortrag Dr. Kristin Neumann
Vortrag "MyMicrobiome standard 18.10" Dr. Kristin Neumann

Abseits der Hautmikrobiom Themen gab es weitere spannende wissenschaftliche Erkenntnisse:

Paul de Vos von der Universität Groningen in Holland hat eine Methode vorgestellt, mit welcher er Effekte von Pro- und Präbiotika auf die Verdauung untersuchen kann. Mit dieser Methode hat er einige spannende Erkenntnisse mit verschiedenen Ballaststoffen gewonnen. Zum Beispiel ist kristallisierte Stärke ein besonders guter Ballaststoff. Er entsteht, wenn Gemüse gekocht wird und wieder abkühlt. Also am besten die Kartoffeln kochen, abkühlen lassen und aufgewärmt (sogar mit Mayo) essen und abnehmen! Paul hat so 6 kg verloren! Eine Überraschung war, dass es gravierende Unterschiede von langkettigem zu kurzkettigem Inulin gibt. Inulin ist ein sehr beliebter und guter Ballaststoff, den es überall in extrahierter Form zu kaufen gibt. (>>> Inulin) Allerdings fehlen meistens die genauen Angaben zur Beschaffenheit des Inulins. Langkettige Inuline zeigen eine weitaus stärkere Wirkung bei der Entwicklung des Immunsystems im Darm als kurzkettige. In einem Experiment an Mäusen wurde die Entwicklung von Typ I Diabetes, welcher sich vor allem bei der Einführung von fester Nahrung bei Babys entwickeln kann, mit langkettigem Inulin verhindert, allerdings nicht mit kurzkettigem Inulin.

Omry Kohen von der Universität Barllan, Israel, zeigte, dass das Mikrobiom von Schwangeren im letzten Drittel der Schwangerschaft, dem Mikrobiom von Menschen mit Metabolischem Syndrom ähnelt. Die bakterielle Vielfalt geht nach unten und die Menge an Proteobakterien (entzündungsfördernd) und Aktinobakterien geht nach oben. Transplantiert man Mäusen das Mikrobiom von Schwangeren im letzten Drittel der Schwangerschaft, werden die Mäuse genauso dick, wie wenn ihnen das Mikrobiom von fettleibigen Frauen transplantiert wird. Es scheint, als passt sich das Mikrobiom den Anforderungen der Schwangerschaft an. Wie genau das Zusammenspiel zwischen Schwangerschaft und Mikrobiom funktioniert, wird nun weiter erforscht.

Es wurde wieder viel zum Thema Probiotika in der Lebensmittelindustrie diskutiert. Hier fehlen immer noch Studien an gesunden Individuen und weitere zielgerichtete Studien um die Aussagen zum gesundheitlichen Nutzen zu untermauern. Das Ziel soll eine weltweit einheitliche Definition und Sprache zum Thema Probiotika sein.

Cate Blanchard von Nestlé sprach über Stuhltransplantation und die Risiken, die es birgt. Obwohl schon sehr viele Patienten erfolgreich therapiert wurden, sind hohe Sicherheitsstandards und genaue Analysen des Transplantats ein absolutes Muss. Von DIY-Stuhltransplantationen wird dringend abgeraten.

Alles in Allem ist das Thema Mikrobiom ein sehr spannendes und vielversprechendes Forschungsgebiet für unsere Gesundheit, allerdings muss die Wissenschaft der Industrie hinterherrennen und der Hype um das Mikrobiom ist vor allem in der Industrie mit Vorsicht zu genießen!

Kristin Neumann, Autor
Kristin Neumann, PhD
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Ich studierte (Molekular- und Mikro-) Biologie, weil ich immer wissen wollte, wie das Leben funktioniert ...

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