13.11.2018 09:07
von Lisa Keilhofer
  Zuletzt bearbeitet: 13.11.2018 13:04

In die USA einzuwandern macht dick und verändert das Mikrobiom

USA macht dick
Um zu "verwestlichen" reichen wenige Monate in den USA.

Eine Anfang November 2018 veröffentlichte Studie von Forschern der Universität Minnesota kommt zu dem Ergebnis, dass Immigranten in die USA schon nach wenigen Monaten ihr angestammtes Mikrobiom verlieren und „verwestlichen“. Damit verliert ihr Mikrobiom nicht nur an Diversität, sondern die Neigung zu Dickleibigkeit und die Anfälligkeit für Krankheiten nimmt dramatisch zu.

Ausgangspunkt der Studie war eine Gruppe von Frauen, die in einer ländlichen Gegend Thailands lebten und dann nach Minneapolis auswanderten. In Thailand ernährten sich die Frauen vor allem vegetarisch, auf Reisbasis und konsumierten selbstangebaute Lebensmittel. Mit der Adaption des westlichen Lebensstils stellte sich die Ernährung der Frauen auf industriell verarbeitete Lebensmittel um, die reich an Proteinen und Zucker sind. Die Rate an übergewichtigen Frauen stieg von 5% in Thailand auf über 30% in den USA.

Umfassend angelegte Studie

Das wäre nun keine an sich erstaunliche Erkenntnis, denn wer von vegetarischer Thai-Küche auf amerikanisches Fast-Food umsteigt, braucht sich über einen steigenden Bodymass-Index (BMI) nicht zu wundern. Das eigentlich bemerkenswerte an der Studie ist die Untersuchung des Mikrobioms von drei Vergleichsgruppen: 1) eine Gruppe von Frauen, die in Südostasien lebt, 2) die oben genannten Thai-Frauen, die in Thailand geboren wurden, später aber in die USA immigrierten und 3) eine Gruppen von Frauen, die in den USA geboren und aufgewachsen sind, deren Eltern aber aus Südostasien stammen. Die Vergleichsgruppe stellen europäischstämmige US-Amerikanerinnen.

Ernährung ist nicht alles

Interessanterweise scheint die Ernährungsumstellung nur ein Teil der Erklärung zu sein. Vor allem der Abbau der Diversität im Verdauungstrakt scheint bei den Betroffenen der Auslöser für spätere gesundheitliche Beschwerden zu sein. So verlieren die neuen US Bewohner mit zunehmender Aufenthaltsdauer (und schon ab einem Aufenthalt von 6 Monaten) etwa wichtige Enzyme, die für den Abbau pflanzlicher Ballaststoffe nötig sind. Gleichzeitig wurde ein Abbau der für asiatische Mikrobiome typische Prevotella dokumentiert und eine Zunahme der im Westen üblichen Bacteroides. Mit dem Verlust dieser Diversität im Mikrobiom wird auch die Funktionalität des Verdauungstraktes sehr reduziert. Beispielsweise können verschiedene Kohlenhydrate wie etwa resistente Stärke schlechter abgebaut oder fermentiert werden.

Verwestlichung des Mikrobioms geht rasant

Je länger die betreffende Person schon in den USA lebte, umso ähnlicher war das Mikrobiom dem einer Person aus der US-Kontrollgruppe. Die Assimilierung beginnt schon nach 6 bis 9 Monaten und schon die zweite Generation der Immigranten wies ein vollständig „verwestlichtes“ Mikrobiom mit entsprechend schlechterer Funktionalität auf. Aber – und das ist der wirklich interessante Punkt der Studie – die eigentliche Ernährungsumstellung verlief teilweise über einen viel längeren Zeitraum. Die Versuchspersonen konsumierten nach 6 bis 9 Monaten etwa noch ein Vielfaches an Reis im Verhältnis zur US-Vergleichsgruppe. Dennoch begann die Umstellung des Mikrobioms schon so früh und das ist ein entscheidender Hinweis darauf, dass die Ernährung zwar das Mikrobiom beeinflusst, aber offensichtlich nicht nur.

 

Lisa Keilhofer
Lisa Keilhofer
Autor

Lisa Keilhofer studierte an der Universität Regensburg. Sie arbeitet im Bereich Internationalisierung und als freiberufliche Lektorin.

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