06.09.2022 10:00
von Marina Becker
  Zuletzt bearbeitet: 09.09.2022 11:01

Warum es gesund ist, wenn Milben Sex auf unserem Gesicht haben

Milben

Billionen kleiner Organismen leben in und auf unserer Haut und sind für deren Gesundheit von entscheidender Bedeutung. So weit, so gut... Eine Tatsache, die viele von uns jedoch vermutlich zusammenzucken lässt, ist, dass Milben Sex auf unserer Haut haben, während wir schlafen. Bevor wir jedoch in Panik geraten, sollten wir unsere kleinen „Mitbewohner“ erst einmal besser kennenlernen und herausfinden, warum sie für uns wichtig sind und warum sie in Gefahr sein könnten.

Als Leser unseres Newsletters wisst ihr vermutlich, dass Billionen Mikroorganismen in und auf unserem Körper leben und für unsere allgemeine Gesundheit extrem wichtig sind. Auch wenn ihr euch mit dem Mikrobiom schon gut auskennt, könnte diese Tatsache euren Verstand (sowie eure Poren) öffnen: Jede Nacht haben Milben Sex auf unserem Gesicht. Und das ist gut so.

Wenn „das ist ja eklig" euer erster Gedanke ist, keine Panik! Jeder hat sie, und das Wohlbefinden unserer Haut hängt von ihnen ab. Lasst uns diese kleinen Kerlchen also ein bisschen besser kennenlernen... 

Die Demodex-Milben wurden erstmals 1841 entdeckt. Ihre achtbeinigen, wurmartigen Körper sind etwa 0,3 mm lang und haben eine Lebenserwartung von zwei bis drei Wochen. Da sich die Milben von Talg ernähren, leben sie in den Haarfollikeln und Talgdrüsen unserer Haut. Sie bevorzugen Bereiche mit hoher Talgproduktion wie unsere Stirn, Wangen und die Nase. Früher wurden sie für die Entstehung von Hautkrankheiten verantwortlich gemacht, da Wissenschaftler glaubten, dass sie keinen Anus hätten und daher beim Sterben ihre gesamten Abfallstoffe absondern und so entzündlichen Hautreaktionen hervorrufen würden. Aber ganz so einfach ist die Sache nicht. 

Sie können zwar bei der Entstehung bestimmter Hautkrankheiten eine Rolle spielen, sind jedoch keine unerwünschten Eindringlinge, die wir loswerden müssten. Ganz im Gegenteil. Über die Jahrtausende haben wir eine symbiotische, sprich beidseitig vorteilhafte, Beziehung zu den Demodex entwickelt. Da sie sich weder vor UV-Strahlung schützen noch das Schlafhormon Melatonin produzieren können, verstecken sie sich tagsüber in unseren Poren. Wenn sie nachts herauskommen, nutzen sie das von unseren Zellen abgesonderte Melatonin, um sich zu ernähren und fortzupflanzen. Indem sie sich von unserem Talg ernähren, klären sie unsere Poren und halten unsere Haut gesund. 

Demodex finden sich in der Haut aller Altersgruppen. Wir werden nicht mit ihnen geboren, sondern erhalten sie beim Stillen und über den engen Hautkontakt mit unseren Müttern. Tatsächlich werden sie meist von unseren Müttern weitergegeben und nur selten horizontal von Mensch zu Mensch übertragen

Das Traurige an der Sache ist jedoch, dass die erste Studie zur Erforschung des Demodex-Genoms vermuten lässt, dass diese Milbe möglicherweise vom Aussterben bedroht ist. Ihr isoliertes Leben in unseren Poren sorgte dafür, dass sie vor äußeren Bedrohungen und Konkurrenz geschützt war. Da sie sich nicht mit anderen Milben paarte, wurden Veränderungen im Erbgut der kommenden Generationen verhindert. Diese Form der Inzucht führte zu einer Verringerung ihres Genpools und machte sie zu einem sehr einfachen Organismus. 

Alles in allem: Die Demodex-Milben stellen keine Gefahr für unsere Gesundheit dar. Wenn wir uns gut um unser Hautmikrobiom kümmern, können wir das Aussterben unserer kleinen Freunde verlangsamen und vielleicht sogar verhindern. Also, lasst uns kuscheln und unseren Schönheitsschlaf für die Paarung der Milben zur Verfügung stellen.

Sources / References:

Marina Becker
Marina Becker
Ganzheitlicher Gesundheits- und Life Coach / Redakteurin

Marina Becker studierte Kommunikationswissenschaft und Psychologie in München. Als Certified Transformational Nutrition Coach hilft sie Menschen dabei, die körperlichen, psychischen und emotionalen Aspekte ihrer Beschwerden zu verstehen und ganzheitlich zu transformieren.

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