von Lisa Keilhofer

Alte Freunde aus dem Dreck machen glücklich und gesund

Unsere guten alten Freunde im Dreck
Unsere guten alten Freunde im Dreck. Picture: © MNStudio - stock.adobe.com

„Dreck macht Speck“. Unter dieser Überschrift diskutieren wir in einem unserer meistgelesenen und meistgeteilten Artikel das Thema Hygiene und Gesundheit. Die vielen Likes und Shares in den sozialen Medien zeigen uns, wie sehr wir bzw. das im Artikel besprochene Buch unseren Lesern aus dem Herzen spricht. Ende Mai veröffentlichte nun die University of Colorado, Boulder, USA, eine interessante >>> weiterführende Information dazu, warum Dreck so gut für uns ist.

Die Hygiene Hypothese

1989 wurde vom britischen Wissenschaftler David Strachan die Hygiene Hypothese vorgestellt. Strachan postuliert darin, dass viele unserer Zivilisationskrankheiten wie Allergien oder Asthma daher rühren, dass wir in einem zu sterilen Umfeld aufwachsen und unser Körper zu wenig gefordert wird, was die Abwehr von Keimen angeht. Vor allem im Kindesalter, so die Theorie, ist regelmäßiger Kontakt mit Dreck wichtig. Das von uns vorgestellte Buch „Dirt is good“ von Prof. Rob Knight und Dr. Jack Gilbert bestätigt die Hygiene Hypothese und empfiehlt jungen Familien (so wie allen Menschen) eindeutig, auf überzogene Hygienemaßnahmen zu verzichten und Kinder in – chemisch nicht kontaminiertem – Dreck spielen zu lassen.

Aber warum ist Dreck so gesund?

Nun gelang es Wissenschaftlern, die Hygiene Hypothese noch ein wenig zu verfeinern. Die bloße Beobachtung, dass Menschen, die mit ausreichend Dreck in Kontakt sind, gesünder und oft auch mental glücklicher sind, konnte nun um eine mögliche Begründung bereichert werden.  Ging man bisher davon aus, dass der Kontakt mit homöopathischen Mengen an Krankheitserregern und Viren im Dreck uns abhärtet, so lautet nun die Theorie, dass es vielmehr „alte Freunde“ sind, die uns stark machen.

Senior-Autor der Studie Prof. Christopher Lowry identifiziert das Mycobacterium vaccae als ebendiesen alten Freund. Man findet das Bakterium im Erdboden und Lowry konnte nachweisen, dass es entzündungshemmend wirkt. Nagetiere, denen das Mycobacterium vaccae injiziert wurde, zeigten sogar eine deutliche Stimmungsaufhellung, ähnlich wie nach der Gabe von Antidepressiva. Die Begründung für den plötzlichen Stimmungsumschwung liegt dabei wohl ebenfalls in der Hemmung der entzündlichen Stoffe im Körper.

Warum genau nun Dreck so gesundheitsförderlich ist, offenbart die jüngste Studie von Lowry: Es ist die 10(Z)-Hexadecen Fettsäure, die nun auf Grund neuester Sequenzierungstechniken nachgewiesen werden konnte. Die Studie untersuchte dann, inwieweit die Säure mit Makrophagen, also Immunzellen, interagiert. Es zeigte sich, dass Fettsäure und Immunzelle zueinander passten wie Schlüssel und Schloss und diese Verbindung einen Rezeptor aktiviert (der sog. Peroxisom-Proliferator-aktivierte Rezeptor, kurz PPAR), der wiederum die Ausschüttung entzündungshemmender Substanzen auslöst.

Wer profitiert von dieser Erkenntnis?

Abgesehen davon, dass die Studie die Annahme unterstreicht, dass ein gesundes Ausmaß aus Dreck die Abwehrkräfte fördert und übertriebene Hygienemaßnahmen schädlich sind, geht die Studie aber noch einen Schritt weiter. Nachdem nun bekannt ist, wie genau die Stressreduktion erreicht wird, wird an einer Art „anti-Stress-Impfung“ geforscht. Diese könnte Menschen in psychischen Extremsituationen zu Gute kommen, etwa Soldaten im Einsatz. Der therapeutische Ansatz unter Einsatz der nun identifizierten Fettsäure eröffnet ein großes Potenzial an Einsatzbereichen.

Und Lowry ist sich sicher: „Das ist nur die Spitze des Eisbergs“. Er geht davon aus, dass es Millionen weiterer solcher „alter Freunde“ gibt, die perfekt auf unseren Organismus abgestimmt sind und gesundheitsfördernd wirken. Da wir in unserer zivilisierten Welt oft einfach nicht mehr die Möglichkeiten haben, so „drecknah“ zu leben wie unsere Vorfahren, ist dies eine wichtige Erkenntnis, die uns dabei hilft, trotzdem körperlich und geistig gesund zu bleiben.

Lisa Keilhofer
Lisa Keilhofer
Autorin

Lisa Keilhofer studierte an der Universität Regensburg. Sie arbeitet im Bereich Internationalisierung und als freiberufliche Lektorin.

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